Vor der Schule 3.-6. Klasse 7.-9. Klasse 10.-12. Kasse
Schreiben lernen
Die Kinder lernen schreiben. Das wird gründlich gemacht. Durch das Formenzeichnen bekommen sie ein Gefühl für gerade und gebogene Linien. Aus den Formen entstehen Buchstaben. Für die Kinder sind dies keine abstrakten Zeichen, sie entwickeln eine persönliche Beziehung zu den einzelnen Buchstaben, denn sie stammen aus einer Geschichte.
Rechnen
Aus dem Zählen heraus erobern die Kinder den Zahlenraum, aber nicht am Pult sitzend. Mit rhythmischem Klatschen, Hüpfen, Stampfen und mit Ballspielen eignen sie sich die Einmaleins-Reihen an. Wenn die Kinder gelernt haben, die Zahlen zu schreiben, geht es ans Rechnen: Addieren, Subtrahieren, Multiplizieren und Dividieren.
Innere Bilder
Jeden Tag tauchen die Kinder in eine Geschichte ein. Im ersten Jahr sind es Märchen, später kommen Legenden, Fabeln und Sagen dazu. Oft sind es Geschichten, die der Lehrer, die Lehrerin für die Klasse selber erfindet. Die Kinder erleben Spannung, Erlösung, Wehmut, Fröhlichkeit, Tollpatschigkeit, Geistesgegenwart, Pfiffigkeit, Furcht, Mut, Tapferkeit. Ein Reichtum innerer Bilder entsteht. Die Kinder identifizieren sich mit den Figuren, die Hindernisse überwinden und durch ihre innere Kraft ans Ziel gelangen. Wertvorstellungen bilden sich.
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Die Schule beginnt
Die neuen Erstklässlerinnen und Erstklässler werden am ersten Schultag zusammen mit ihren Eltern von der ganzen Schulgemeinschaft willkommen geheissen. Nach der Feier beginnt die erste Schulstunde.
Halt geben und Vertrauen bilden
Damit das Kind sich zu einer gefestigten Persönlichkeit entwickeln kann, braucht es ein konstantes Umfeld und ein intaktes Vertrauensverhältnis zu den Bezugspersonen. Zunächst kümmert sich vor allem die Klassenlehrerin oder der Klassenlehrer um das Gedeihen und Wohlbefinden des einzelnen Kindes. In der Regel betreut die gleiche Lehrperson ihre Klasse sechs oder sieben Jahre lang. Im Lauf der Jahre kommen immer mehr Fachlehrkräfte dazu. Die Klassengemeinschaft gibt den Kindern Halt. Sie umfasst unterschiedlich begabte Schülerinnen und Schüler, vielleicht auch Kinder mit besonderen Bedürfnissen - ein Lernfeld für soziales Verständnis. Grundsätzlich besuchen die Kinder die Klassenstufe, die ihrem Alter entspricht. Zeigt ein Kind unbefriedigende Leistungen, versucht man ihm zu helfen, ohne es eine Klasse repetieren zu lassen.
Epochenunterricht
Längst ist erkannt, dass der konventionelle Stundenplan mit dem ständigen Wechsel der Fächer das kontinuierliche Lernen stört. Deshalb werden vielerorts Unterrichtsprojekte eingesetzt, um ein Thema zu vertiefen. An den Steiner-Schulen gehört der projektartige Unterricht zur Tagesordnung. Ein grosser Teil der Fächer wird während drei bis vier Wochen in einer Doppellektion am Morgen unterrichtet. Die Kinder verbinden sich intensiv mit einem Unterrichtsgebiet. Fächer, die stetiger Übung bedürfen, wie Fremdsprachen, Handwerk, Kunst, werden in regelmässigen Wochenstunden unterrichtet.
Kein Mensch begehrt, dass das Kind alles bei sich behalte, was es an leiblicher Speise zu sich nimmt -aber seine geistige Kost soll es behalten. Von der leiblichen Speise soll das Kind wachsen. Ist das nicht genug, auch auf das Geistige übertragen? Kann ein Mensch alles, was er an geistiger Nahrung aufnimmt, behalten ? Muss er nicht manches fallen lassen, um freie Fassungskraft zu bewahren für das Neue? Zu vergessen - ist ein Urrecht des Kindes.
Simon Gfeller
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Malen
Im regelmässig gepflegten Malen lernen die Kinder die Qualitäten der Farben kennen. Sie werden empfänglich für die Stimmungsunterschiede, die Gelb, Blau, Rot und
Die Welt mit allen Sinnen erleben
all die anderen Farben erzeugen. Die Empfindungen der Kinder werden durch den Umgang mit den Farben differenziert. Im Zeichnen und Malen lernen sie, ihre inneren Bilder darzustellen, und entwickeln ihre Ausdrucksfähigkeiten.
Handarbeit
Eine wichtige Aufgabe in der Entwicklung der Kinder erfüllt die Handarbeit: sie schult ihre Feinmotorik. Weben, Knüpfen und Stricken fördern nicht nur die Geschicklichkeit, die Tätigkeiten wirken auch auf die Denkfähigkeit. Beim Stricken etwa führen die Finger das aus, was im Denken beim Verknüpfen der Gedanken geschieht.
Fremdsprachen
Mit dem Lernen von fremden Sprachen erleben die Kinder andere Kulturen und Mentalitäten. Von der ersten Klasse an lernen sie Französisch und Englisch. Zunächst durch Lieder, Verse, Spiele, kleine Gesprächsübungen. Ein Tor zur Welt fremder Länder und Kulturen öffnet sich ein wenig.
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Bewegung
Für manche Kinder ist es kein leichter Schritt vom freien Spielen im Kindergarten zum geregelten Lernen und Arbeiten im Klassenzimmer. Die Lehrerinnen und Lehrer wissen das und sorgen deshalb für Bewegung im Unterricht. Einige Lehrkräfte arbeiten im «Bewegten Schulzimmer». Aber auch in den Klassenzimmern, die mit den herkömmlichen Pulten ausgerüstet sind, kommt die Bewegung zu ihrem Recht: durch rhythmische Übungen und Bewegungsspiele, die zum Unterricht gehören, und beim Spielturnen.
Eurythmie
In der Eurythmie, einer von Rudolf Steiner entwickelten Bewegungskunst, lernen die Kinder Sprache und Musik durch Bewegungen sichtbar zu machen. Musikstücke, Gedichte und Geschichten werden durch Gebärden und Formen in der Gruppe gestaltet.
Musik
Von der ersten Klasse an spielt Musik im Schulleben eine grosse Rolle. Jeden Tag werden Lieder angestimmt, und die ganze Klasse lernt Flöte spielen. Längst wurde erkannt und durch Schulversuche bewiesen, dass Musik und überhaupt künstlerische Aktivitäten das Lernvermögen der Kinder in den intellektuellen Fächern fördern. Aber so zweckgebunden wird an den Steiner-Schulen die Musik nicht eingesetzt. Dies geschieht aus der Überzeugung heraus, dass der Musik eine entscheidende Aufgabe in der Erziehung zukommt. Sie verfeinert die Empfindsamkeit der Seele, wirkt Abstumpfung und Verrohung entgegen und regt das Denken, das Gefühlsleben und die Willensbildung an. Das Ideal ist, dass alle Schülerinnen und Schüler ein individuelles Instrument lernen.
Durchschaut man, wie stark aus der kindlichkünstlerischen Erziehung das Intellektuelle herauszuholen ist, so wird man der Kunst im ersten Volksschulunterricht die angemessene Stellung zu geben geneigt sein.
Rudolf Steiner
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