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Von der 3. bis 6. Klasse - die Welt tätig erfahren

Vor der Schule      1.-2. Klasse      7.-9. Klasse      10.-12. Kasse

 

Ein Schritt in die Welt hinein

Das Kind wird bald zehn Jahre alt. Es ist dabei, einen wichtigen Entwicklungsschritt zu vollziehen, der sich sehr unterschiedlich ankündigt: Was einem Kind bisher lieb war, lehnt es plötzlich ab. Ängste können auftauchen. Neue Freundschaften entstehen.

In der Schule beobachtet das Kind seinen Lehrer, seine Lehrerin mit neuem, prüfendem Blick. Ganz individuell erfährt jedes Kind einen Einschnitt in diesem Lebensalter. Während sich das Kind bisher als eins mit der Welt empfand, fühlt es jetzt: Ich stehe der Welt gegenüber. Es ist eine noch wenig bewusste Ich-Erfahrung. In den Steiner-Schulen reagieren die Lehrkräfte nicht nur in ihrem Verhalten den Kindern gegenüber auf deren neue Bedürfnisse. Sie tun dies vor allem auch mit dem Unterrichtsstoff. Die Kinder sollen durch intensive Erlebnisse, die später zu Erkenntnissen reifen, die Welt kennen lernen.

 

Sachkunde: Die Welt erfahren

In der Sachkunde lernen die Kinder die Welt, der sie sich gegenübergestellt sehen, genauer kennen. Sie beschäftigen sich mit den Grundbedürfnissen des Menschen: Ernährung, Bekleidung und Hausbau. Die Kinder eignen sich Kenntnisse an, indem sie viele Arbeiten selber praktisch durchführen.

 

Von der näheren Heimat in die weite Welt

In der 4. Klasse wird die Aufmerksamkeit der Kinder auf die Landschaft und die Geschichte der Region Basel gelenkt. Sie werden mit den Himmelsrichtungen vertraut gemacht, beschäftigen sich mit Landkarten und erwandern einzelne Gebiete der Region. In der 5. Klasse erweitert sich der Blick auf die ganze Schweiz. Die Kinder folgen den nahe beieinander entspringenden Flüssen Rhein, Rhone, Ticino und Inn nach Norden, Westen, Süden und Osten. Damit ist schon der Übergang zur Geografie Europas geschaffen, die in der 6. Klasse zum Thema wird.

 



Ackerbau
«Bemesst den Schritt, bemesst den Schwung …» An einem Seil ziehen die 3.-Klässlerinnen und 3.-Klässler zuerst den Pflug und dann die Egge über das Feld. Von Hand säen sie die Frucht aus. Später besuchen sie «ihr» Feld immer wieder, pflegen es und beobachten, wie die Saat aufgeht.
Rudolf Steiner Schule Basel

Naturkunde

Wenn in der 4. Klasse verschiedene Tiere behandelt werden, fühlen sich die Kinder gefühlsmässig stark angesprochen. Die Tierkunde verbindet sich mit einer Betrachtung des Menschen, und wenn das Gespräch auf Unterschiede zwischen Mensch und Tier kommt, werden Fragen aufgegriffen, die in vielen Kindern leben. In der Pflanzenkunde der 5. Klasse erfahren die Kinder, wie die Pflanze durch ihre Teile - Wurzel, Stängel mit Blättern, Blüte und Frucht - mit den vier Elementen im Zusammenhang steht. Die Kinder bekommen einen Überblick über das Pflanzenreich. Der Weg führt von den einfachen Formen der Algen und Moose zu immer vollkommeneren bis zu den Blütenpflanzen. Ein Jahr später, in der 6. Klasse, erhalten die Kinder einen Einblick in die Welt des Gesteins. Der Blick richtet sich auf die Bergformen, die für Kalk beziehungsweise kristallines Gestein typisch sind. Gesteinsbrocken kommen ins Klassenzimmer, es gibt Exkursionen, vielleicht sogar ein Lager, und die Kinder erleben die Unterschiede hautnah.

 

Verbindung mit der Welt durch Sprache

Die Schüler und Schülerinnen leben sich rasch in die deutsche Standardsprache ein und bewegen sich darin immer selbstverständlicher. Bis jetzt war Sprache etwas, was die Kinder unbewusst verwendeten. Das ändert sich, wenn nach und nach die grammatischen Gesetze aufgespürt werden. Parallel zum bewussten Erfassen der Grammatik üben die Schülerinnen und Schüler den spontanen Umgang mit der Sprache beim Schreiben von Berichten und in mündlichen Unterrichtsbeiträgen. Durch Lesestücke und Gedichte wird ihr Stilgefühl verfeinert.

 



Michaeli
Die Unterstufenkinder feiern mit Mutproben ein Michaelfest. Sie schaffen aus Fichtenzweigen einen Drachen mit grossem Maul. Sie bilden eine lange Reihe, die den Drachen einschliesst. Dann stecken sie das Drachenungeheuer in Brand.
Rudolf Steiner Schule Birseck

Mass nehmen

Im Rechnen lernen die Kinder, die Welt genau zu erfassen. Es beginnt mit den Längenmassen. Mit dem selbst angefertigten Meterstab misst jedes Kind sich selbst, seine Kolleginnen und Kollegen, das Pult, das Zimmer, den Pausenhof. Dann kommen die Gewichte, die Hohlmasse und das Geld dran. In der 4. Klasse werden die Kinder sorgfältig in das schwierige Gebiet des Bruchrechnens eingeführt.

Im nächsten Schuljahr kommen die Dezimalbrüche hinzu und in der 6. Klasse das Prozentrechnen. Dabei erhalten die Schülerinnen und Schüler einen ersten Einblick in die Geschäftswelt: Sie erfahren, wofür Zinsen erhoben beziehungsweise bezahlt werden, und lernen die Begriffe Kapital, Zins und Zinsfuss kennen.

 

Vom Formenzeichnen zur Geometrie

Durch das Zeichnen von Formen leben sich die Kinder nach und nach in die Geometrie ein. In der 6. Klasse bekommen die Schüler und Schülerinnen Massstab, Dreieck und Zirkel in die Hand. Die Formen, die sie bisher mit freier Hand gezeichnet haben, können sie nun exakt konstruieren. Sie lernen erste Lehrsätze kennen und erfahren, dass diese bewiesen werden können.

 

Schöpfungsgeschichte und Sagen

Wenn in der 3. Klasse die biblische Geschichte durchgenommen wird, kommen Motive vor, die den Kindern ihre eigene Situation widerspiegeln - zum Beispiel die Vertreibung aus dem Paradies.

Eine ganz andere Stimmung vermitteln die germanischen Sagen, die die Kinder in der 4. Klasse hören. Hier waltet nicht mehr nur ein Gott. Verschiedene Göttinnen und Götter lenken die Menschen und stehen ihnen in ihren Kämpfen bei. Noch bewegter wird die Sache bei den griechischen Sagen, in die die Kinder in der 5. Klasse eintauchen. Hier sind die Götter noch weniger erhaben. Sie haben ihre Schwächen, verfolgen ihre eigenen Interessen und sind für die Menschen trotzdem mächtige Instanzen, deren Schutz sie durch Gebete und Opfergaben erflehen.

 



«Olympische Spiele»
Jährlich treffen sich 900 Kinder der 5. Klassen auf dem Gempen und messen sich in den Disziplinen Ringen, Steinstossen, Seilziehen, Speerwerfen, Zielwerfen, Kurz- und Langstreckenlauf und Wagenrennen. Die Kinder kämpfen in Teams, die aus den Schulen gemischt sind.
Rudolf Steiner Schule Birseck

Erster Geschichtsunterricht

Der Geschichtsunterricht soll die Kinder zu einem vertieften Verständnis ihres Lebens und der Welt führen. In der 5. Klasse führt der Weg aus den sagenhaften Anfängen zur

überlieferten Geschichte. Indem die Kinder Eindrücke der alten indischen, persischen, babylonischen, ägyptischen und griechischen Kulturen aufnehmen, folgen sie dem Weg, der die ganze Menschheit aus der Verbundenheit mit der geistigen Welt immer mehr auf die Erde führte. Die Kinder sammeln nicht nur Wissen über diese alten Kulturen, die alle etwas zur Entwicklung der Menschen beitrugen. Sie rezitieren Texte in den Originalsprachen -zum Beispiel in Altgriechisch - und in der Eurythmie, im Zeichnen, im Malen und im Plastizieren werden Inhalte dieser Kulturen gestaltet. Die Olympischen Spiele erleben die Kinder besonders intensiv, wenn sie eines Morgens auf den Gempen ziehen und sich mit den Kolleginnen und Kollegen aller 5. Klassen der regionalen Steiner-Schulen in den olympischen Disziplinen messen.

 

Eurythmie

Im Eurythmieunterricht setzen die Kinder geometrische Formen in Bewegung um und gestalten Motive aus den alten Kulturen, die sie im Geschichtsunterricht behandeln.

 

Turnen

In der 3. Klasse wird das Spielturnen vom eigentlichen Turnunterricht abgelöst. Auf jeder Klassenstufe steht der Turnunterricht mit den Themen im Zusammenhang, die im Epochenunterricht behandelt werden - bei den gymnastischen Übungen, im Geräteturnen und bei den Spielen.

Die Eurythmie lässt das seelische Leben nach aussen fliessen und wird dadurch zu einer wirklichen Äusserung des Menschen, wie die Sprache; sie ist eine sichtbare Sprache. Durch das Turnen, die Gymnastik, den Sport fügt sich der Mensch in den äusseren Raum hinein, passt sich der Welt an, probiert, ob er so und so in die Welt hineinpasst. Das ist nicht eine Sprache, das ist nicht eine Offenbarung des Menschen, sondern das ist eine Forderung der Welt an den Menschen, dass er für die Welt tüchtig sein kann, dass er sich in die Welt hineinfinden kann.

Rudolf Steiner

 

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Jugendzirkus Prattelino
Der Jugendzirkus Prattelino entstand 1991 als freiwilliges Angebot für Schülerinnen und Schüler ab der 5. Klasse. Die jungen Art ist Innen spielen regelmässig im Zirkuszelt in Pratteln und machen Tourneen in der Schweiz und im Ausland.
Rudolf Steiner Schule Mayenfels