Vor der Schule 1.-2. Klasse 3.-6. Klasse 10.-12. Kasse
Die Pubertät beginnt
Schon in der 6. Klasse hat sich erneut ein Entwicklungsschritt angebahnt. Die Pubertät beginnt mit einem neuen, stark gefühlsbetonten Interesse an der Welt und den bekannten Verhaltensweisen der Jugendlichen, die für die Erwachsenen nicht immer einfach sind. Gleichzeitig erleben wir das Erwachen intellektueller Kräfte, welche die Schülerinnen und Schüler befähigen, die Welt kausal zu verstehen. Es entsteht ein Verlangen nach Kausalität, die klärend wirken kann.
Naturwissenschaften
Eine wichtige Aufgabe kommt in dieser Lebensphase den naturwissenschaftlichen Fächern zu. Die Jugendlichen können ihre neuen Fähigkeiten einsetzen, wenn sie Versuche beobachten, reflektieren und auswerten. Dabei geht der Unterricht an den Steiner-Schulen immer von den Phänomenen aus: Zuerst das Experiment, das die Schülerinnen und Schüler genau beobachten. Der nächste Schritt ist, dass sie das Wahrgenommene aus der Erinnerung rekonstruieren. Dann kommt die dritte Aufgabe: über das Experiment nachdenken und Gesetzmässigkeiten erkennen.
Physik
Der erste Physikunterricht beginnt schon in der 6. Klasse mit Akustik, Optik, Wärmelehre, Magnetismus und den Anfängen der Elektrizitätslehre. In der 7. Klasse kommt die Mechanik hinzu, und jedes Jahr werden die verschiedenen Gebiete der Physik weiter erforscht. Bis zum Ende der 9. Klasse sollen die jungen Menschen die Geräte und Maschinen, mit denen wir umgehen, besser verstehen.
Chemie
Der Einstieg in die Chemie im 7. Schuljahr erfolgt durch die Grundvorgänge Verbrennen und Auflösen in Wasser. Unter anderem werden Säuren, Laugen und Salze erforscht. In der 8. und 9. Klasse geht es vorwiegend um die organische Chemie. Da machen die Jugendlichen zahlreiche eigene Versuche mit Stärke, Zucker, Eiweiss, Fetten und Ölen. Sie erhalten so einen Einblick in Vorgänge in den Pflanzen und in unseren Nahrungsmitteln.
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Biologie
Der Biologieunterricht in der mittleren Schulzeit ist stark auf den Menschen ausgerichtet. Er beginnt in der 7. Klasse mit Ernährungs- und Gesundheitslehre. In der 8. und 9. Klasse werden die Jugendlichen mit der Anatomie des Menschen vertraut gemacht. Die Sexualkunde ist ein wichtiges Thema in diesem Alter. Im Gespräch erfahren die Lehrkräfte die Bedürfnisse der Jugendlichen und ziehen für diesen Unterricht auch externe Fachleute bei.
Geografie
Der Geografieunterricht soll Weite ins Schulzimmer bringen. Von der 7. bis 9. Klasse richtet sich der Blick auf die Erde als Ganzes und die Lebensformen auf anderen Kontinenten. In diesem Fach wird die Eigenaktivität gefördert, indem die jungen Leute sich individuell oder in Gruppen ausgewählte Themen erarbeiten und darüber Referate halten.
In der Waldorfschul-Pädagogik ist der Lehrplan vom Kinde abgelesen. Alles, was nicht nur von Jahr zu Jahr, was von Monat zu Monat, von Woche zu Woche getrieben werden muss, ist vom Kinde abzulesen, damit dem Kinde das entgegengebracht werden kann, was es durch seine innere Natur fordert.
Rudolf Steiner
Deutsch
Mit der Sprache geschieht etwas Eigentümliches in der Pubertät. Da ist einerseits ein ungehemmtes Mitteilungsbedürfnis unter Gleichaltrigen, andererseits ein Verstummen, Sichzurückziehen gegenüber Erwachsenen und im Unterricht.
Hier spielt der Deutschunterricht eine wichtige Rolle. Als objektives Übungsfeld kann er die Ausdrucksmöglichkeiten erweitern, differenzieren und an das reiche Innenleben der Jugendlichen, das sie ängstlich verstecken, anschliessen.
Geschichte
Parallel zur Umbruchstimmung, die die Jugendlichen durch die Pubertät in ihrem eigenen Leben erfahren, betreten sie in der 7. Klasse auch in der Geschichte eine Zeit des Umbruchs. Sie lassen die Welt des Mittelalters hinter sich und machen den Schritt in die Neuzeit: Die Hauptthemen sind Entdeckungsfahrten, Erfindungen (Buchdruck), Renaissance und Reformation. Bis zum Ende der 9. Klasse sind die Jugendlichen bei den Ereignissen der Gegenwart angelangt.
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Mathematik
Der Einstieg in die Algebra in der 7. Klasse bedeutet für manche Schülerinnen und Schüler, denen das Rechnen bisher etwas Mühe bereitete, einen motivierenden Neubeginn. Nach den binomischen Formeln rücken die Gleichungen mit einer Unbekannten ins Zentrum des Geschehens, wobei die Anforderungen durch negative Zahlen und Brüche kontinuierlich erhöht werden. In der 9. Klasse kommen Gleichungen mit zwei Unbekannten hinzu, und es gibt eine Einführung in die Kombinatorik. In der Geometrie geht es um die Ausbildung des räumlichen Vorstellungsvermögens. Zunächst bewegen sich die Schülerinnen und Schüler noch in der Fläche: symmetrische Konstruktionen, Flächenverwandlungen und Flächenberechnungen. Der Lehrsatz des Pythagoras wird behandelt. Noch mehr gefordert und gefördert wird das räumliche Denken in der 8. und 9. Klasse durch die Körperlehre.
Handwerk und Gartenbau
Der eigentliche Handwerksunterricht beginnt in der 6. Klasse mit Holzarbeiten, die im 7. und 8. Schuljahr mit anspruchsvolleren Werkstücken weitergeführt werden. In der 9. Klasse arbeiten sich die Jugendlichen epochenweise und in kleinen Gruppen intensiv in verschiedene Handwerke ein.
Im Kupfertreiben entstehen durch Ausglühen und Hämmern eines Kupferblechs Gebrauchsgegenstände. Korbflechten: Beim Flechten mit Weidenruten trainieren
die Neuntklässlerinnen und Neuntklässler Aufmerksamkeit und Feingefühl, damit formschöne und regelmässig geflochtene Körbe entstehen.
Kochen: Die Jugendlichen bereiten Mahlzeiten zu, die sie nach vollbrachter Tat gemeinsam geniessen. Es geht darum, dass jede und jeder Einzelne sich Kochkünste aneignet und gleichzeitig das Arbeiten im Team geübt wird. Handarbeit: Die Schülerinnen und Schüler lernen das Maschinennähen und sind im 9. Schuljahr so weit, dass sie sich ein selbst gewähltes Kleidungsstück anfertigen können.
Gartenbau: Alle Schulen haben einen Schulgarten, wo die Schülerinnen und Schüler von der 6. bis zur 9. Klasse, teilweise auch noch in den weiteren Schuljahren, mit der Pflege des Bodens und dem Ziehen von Pflanzen praktische Erfahrungen machen.
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Kunst, Musik, Bewegungserziehung
Malen und Zeichnen: In diesem Fach soll einerseits das exakte Beobachten der Jugendlichen geschult, andererseits ihre Kreativität gefördert werden. Zu diesem Ziel führen Landschaftsstudien, perspektivisches Zeichnen, Schattenlehre, Hell-Dunkel-Kontraste, Stillleben, Kopieren von Meisterwerken. Dabei lernen die jungen Menschen die verschiedensten Techniken kennen. Musik: In der Pubertät fällt das Singen manchen Schülern und Schülerinnen etwas schwer. Von den Unterrichtenden ist Verständnis und Geschick in der Wahl der Lieder gefordert, damit der Gesang weiter strömt. Im Lauf der Jahre wachsen die Klassenorchester. Auch werden Instrumentalgruppen gebildet, damit möglichst viele Schülerinnen und Schüler zum gemeinsamen Musizieren kommen. Turnen und Eurythmie: In der Bewegung sind Jugendliche im Pubertätsalter einerseits oft schwerfällig, sogar gehemmt, andererseits ungestüm. Das Turnen soll zu zielgerichteten Bewegungen führen. Die Eurythmie hat die wichtige Aufgabe, die Bewegung der Jugendlichen mit Denken und Gefühl in Einklang zu bringen. Räumliches Vorstellungsvermögen wird im bewegungsmässigen Ausführen von Formen geschult.
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